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FRANZ TREML
Verabschiedung in den Ruhestand
Der frühere stellvertretende ver.di-Vorsitzende Franz Treml ist – wie bereits gemeldet – zum 1. April in den Ruhestand getreten. Anlässlich seiner Verabschiedung würdigten DGB-Vorsitzender Michael Sommer, ver.di-Chef Frank Bsirske und Lothar Schröder, Tremls Nachfolger als Bundesfachbereichsleiter, dessen politisches und soziales Engagement. Treml war 1959 in die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) eingetreten, widmete sich der gewerkschaftlichen Jugendarbeit, trat 1969 in die hauptamtlichen Dienste der DPG im Landesbezirk Hessen und wurde 1975 zum Bundesjugendsekretär gewählt. Mit der Aktion „Macht Stifte zu Köpfen“ warb er für mehr Qualität in der Berufsausbildung. Als Leiter der Abteilung für internationale Verbindungen engagierte er sich für die Vernetzung der Gewerkschaftsarbeit im Telekommunikations- und Postsektor. Danach wechselte er in die Funktion des Vorstandssekretärs der DPG. Dabei widmete er sich intensiv der ver.di-Gründung. Im Mai 2002 wurde er in den ver.di-Bundesvorstand gewählt und wurde im Oktober stellvertretender ver.di-Vorsitzender. Internationale Gewerkschaftsarbeit ist ihm über viele Jahre ein persönliches Anliegen gewesen, und er hat sich in vielen internationalen Gremien engagiert. Gleichzeitig fühlte er sich über Jahrzehnte seinen gewerkschaftlichen Wurzeln, der gewerkschaftlichen Jugendarbeit, verbunden und behielt die Rechte von Migrantinnen und Migranten hierzulande im Blickfeld.
Ausstellung bei ver.di
"Brasília Stories"
Die Brasilianische Hauptstadt Brasília wurde vor nicht einmal 50 Jahren im Dschungel aus dem Boden gestampft. Die Fotografin Gleice Mere, in Brasília geboren, und die deutsche Autorin Carmen Stephan, interessierte weniger die faszinierende Architektur der Stadt, als ihr Einfluss auf die erste Generation von Brasília, die langsam eine neue Identität formt. Die aus diesem Blickwinkel entstandenen Fotoinstallationen von Gleice Mere sind nun erstmals in einer Ausstellung zu sehen: vom 9. Juni bis zum 18. August in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin, in Kooperation mit der „Copa da Cultura“, dem offiziellen brasilianischen Kulturprogramm zur Fußballweltmeisterschaft. „Ein Porträt von Brasília, wie es bisher nicht existierte“, schrieb die FAZ über das Buch „Brasília Stories – Leben in einer neuen Stadt“, im Blumenbar-Verlag erschienen, das zur Vernissage in Anwesenheit der Fotografin und der Autorin präsentiert wird, die während der Vernissage am 8. Juni aus dem Buch lesen wird.
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BERLINER ZEITUNG, 22. April 2006
Vorboten neuer Konflikte
Wochenlange Streiks im Öffentlichen Dienst, Streiks von Klinik-ärzten und womöglich ein Streik in der Metallindustrie – ist das wirtschaftsfriedliche Deutschland zum „Streikland“ mutiert? Die Antwort ist nicht einfach ja oder nein. Einiges ist wie immer, einiges ist aber neu. [...] Als man 2005 einen neuen „Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst“ ausverhandelte, unterschrieben die Länder nicht, vor allem weil sie höhere Arbeitszeiten durchsetzen wollten, und die kommunalen Arbeitgeber erhielten ein Sonderkündigungsrecht zu ebendiesem Zwecke. Das war nur der Anlass zu den hinter uns liegenden – und teils noch auf kleiner Flamme anhaltenden – Streiks im Öffentlichen Dienst. [...]
Das Muster ist gegenüber 1974 und 1992 deutlich anders: Es streiken weniger Personen zum Teil erheblich länger. [...] Nach Wegfall des bisherigen „Stellvertreter“-Konzepts (Müllwerker und Straßenbahner für den ganzen Rest) sind die Streikerfolge ganz unterschiedlich je nach Kampfkraft. [...] Dazu kommt die Verselbstständigung von Spezialistengruppen, wie z. B. der Ärzte. Sie können auf eigene Faust für sich mehr rausholen als im Verdi-Verbund. Das sind die Vorboten einer neuen dezentralen Konfliktstruktur: Neuverteilung von Risiken und Chancen, niedrige Hemmschwelle für Streiks in kleineren Einheiten, häufigere kleine statt seltene große Streiks.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 25. April 2006
Am Loch vorbei
Denkbar wäre es, jetzt Absprachen zu finden, die entweder die Meistbegünstigungsklausel nicht berühren oder sie so geschickt umgehen, dass sie nicht genutzt werden kann. [...] Für Frank Bsirske, [...], wäre das die einfachere Variante. In den Kommunen kann er einen eindeutigen Sieg verbuchen. In den Ländern hätte er zumindest alles versucht, was ihm möglich war. Geschickt hat er das Zeitfenster genutzt, das die Landtagswahlen und der parallele Streik in den Kommunen eröffneten und das die Föderalismusreform wieder zu schließen droht.
Er hat versucht, von der Mobilisierungswelle der IG Metall und den Ärztestreiks des Marburger Bundes zu profitieren; selbst die Spitze der Tarifgemeinschaft hat er, bewusst oder unbewusst, parteipolitisch zu spalten versucht – alles erfolglos. Den bisher längs-ten Arbeitskampf der Staatsdiener seit Bestehen der Bundesrepublik hat er besser durchgefochten und mehr erreicht, als manch einer vorher vermutet hätte. Tucholsky würde vermutlich raten, den Streik sang- und klanglos auslaufen zu lassen: „Wenn ein Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben, es auszufüllen. Dabei fällt er meistens hinein.“
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