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IBFG-REPORT 2005
Tödliche Mitgliedschaft
Gewerkschaftsarbeit kann lebensgefährlich sein, so beispielsweise in Kolumbien. Hier sind 2005 bisher 99 Gewerkschafter/innen ermordet worden. ver.di hatte mehrfach in Gesprächen mit Regierungsvertretern auf dem Schutz von Gewerkschaftern bestanden. Der jüngste Bericht des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG), der Mitte Oktober veröffentlicht wurde, verweist auf die Ermordung von insgesamt 145 Gewerkschaftern im Jahr 2004. Zu besonders schwerwiegenden Verletzungen von Gewerkschaftsrechten ist es auch in Simbabwe, Nigeria, Venezuela, Haiti, in der Dominikanischen Republik, Birma, China, Philippinen, Weißrussland sowie im Iran gekommen.
Allzu viele Arbeitgeber verweigern ihren Beschäftigten das Vereinigungsrecht. Zwar sind nur in wenigen der 137 analysierten Länder Gewerkschaften verboten, aber in vielen versäumen es die Regierungen, die Gewerkschaften zu schützen. "Der unregulierte Wettbewerb auf den globalen Märkten untergräbt weiterhin die Achtung der Gewerkschaftsrechte", betont IBFG-Generalsekretär Guy Ryder.
Besorgt ist er besonders über die wachsende Dominanz Chinas auf dem Weltmarkt. In China verweigere die Regierung die Vereinigungsfreiheit. Lediglich die Staatsgewerkschaft werde anerkannt, die sich aber "erneut als völlig ineffizient erwiesen hat". Zwei Chinesen waren zu langen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie im Internet für unabhängige Gewerkschaften eingetreten waren. Mehr Informationen: www.icftu.org
VER.DI IM NETZ
Umstieg auf freie Software
Freie Software ist seit Oktober 2005 die Grundlage der ver.di-Präsenz im Internet und Intranet: "union.cms" heißt diese Plattform – ein Kürzel für „gewerkschaftliches Content Manage-ment System“. Der Programmcode ist frei zugänglich, kann nach Bedarf weiterentwickelt und ohne Lizenzgebühren für beliebig viele Nutzer/innen auf vielen Servern eingesetzt werden.
Das spart hohe Kosten gegenüber der bisher eingesetzten Software – vor allem im Hinblick auf das geplante Mitgliedernetz mit Tausenden zusätzlich angemeldeter Nutzer/innen. Zudem bietet es die Chance, Software weiterzugeben – im Sinne internationaler Solidarität an ärmere Gewerkschaften in Afrika, Asien oder Lateinamerika.
Die neue "Kartennavigation" auf der ver.di-Website führt schnell zu ver.di-Landesbezirken und -Bezirken. Der verbesserte "Branchennavigator" leitet Besucher/innen zur zuständigen Fachgruppe oder zum Fachbereich.
Der neue Auftritt ist dem Ziel der "Barrierefreiheit" verpflichtet: Blinde und Sehbehinderte können ihn mühelos erfassen. Einzig gleich geblieben ist die Adresse: www.verdi.de
VER.DI-CHOR
Hören und Mitsingen
In sein viertes Jahr singt sich seit Januar 2002 der ver.di-Chor. 18 Frauen und Männer interpretieren mit einem breiten Repertoire unter der künstlerischen Leitung der Dirigentin Natalija Tschaplygina Oper, Gospel, Volksweisen und Weihnachtslieder. Jetzt suchen wir Verstärkung in allen Stimmlagen. Wer Freude am Singen hat, ist willkommen. Die Proben finden jeweils mittwochs ab 17 Uhr in der ver.di-Bundesverwaltung statt. Dreijährige Bilanz: Auftritte zu Jubilarfeiern, zur Weihnachtszeit in der ver.di-Bundesverwaltung sowie in Kirchen und Sozialeinrichtungen. Nächstes großes Vorhaben ist das Weihnachtskonzert mit Instrumentalsolisten in der Advent-Zachäus-Kirche in Berlin am
2. Dezember, 19 Uhr. Kontakt: Tel. 030/ 6956-1131 (Anita Weber). http://chor.verdi.de
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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND 26. OKTOBER 2005
Aufmerksame Aufsicht
Gut so: Die Finanzaufsicht BaFin hat den zuletzt hilf- und ratlosen Gewerkschaftern die kriselnde Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) aus den Händen genommen. Weil die für ihr schwer angeschlagenes Institut keine Lösung fanden, fürchteten die Beamten um die Sicherheit vor allem des deutschen Pfandbriefmarktes. [...] Der Fall ist ein weiterer Beleg für die angespannte Finanzsituation der Gewerkschaften. Er liefert aber auch einen Hinweis auf die immer noch höchst unterschiedliche Macht der Aufsichten auf den globalen Märkten.
DIE WELT 1. NOVEMBER 2005
Note: 3-
Da der Atomausstieg wirtschaftlich wie umweltpolitisch falsch ist, kann man Brigitte Kronauer nicht loben, wenn sie aus dem Verband Deutscher Schriftsteller (VS) in der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di nur deshalb austritt, weil Ver.di-Chef Bsirske für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken plädiert hat. Aber richtig böse sein können wir Frau Kronauer nicht. Denn erstens ist sie eine großartige Schriftstellerin, und zweitens ist es ja im Prinzip richtig, den Gewerkschaftsmief des VS zu verlassen. Sie hätte sich halt eine andere Begründung einfallen lassen müssen. Weil ihr aber ansonsten so viel einfällt, wollen wir mal nicht so sein.
Süddeutsche Zeitung 10. November 2005
Popanz Kündigungsschutz
… die längere Probezeit ist keine unzumutbare Verunsicherung der Beschäftigten. Die Debatte um den Kündigungsschutz ist überhitzt, weil das Thema von vielen Wirtschaftslobbyisten ebenso wie von Gewerkschaften ideologisiert wird.
Die einen attackieren ihn als Beschäftigungshemmnis, die anderen preisen ihn als Bollwerk gegen böse Arbeitgeber.
Wahr ist aber: Der Kündigungsschutz schützt nicht vor Kündigung. Er legt nur bestimmte Regeln fest, die im Zweifelsfall die Summe hochtreiben, welche am Ende als Abfindung gezahlt werden muss.
DIE TAGESZEITUNG 15. NOVEMBER 2005
Goldene Mitte
Nach Wochen des Zweifelns fällt es in diesen Tagen wieder ziemlich leicht, die große Koalition sympathisch zu finden. Allzu eintönig fallen Experten und Interessenverbände über das verabredete Regierungsprogramm her. Die Gewerkschaften finden das Programm zu unsozial, die Arbeitgeber halten es für wirtschaftsfeindlich und die Sozialverbände kritisieren, dass die Renten nicht steigen.
Fast scheint es, als habe das neue Bündnis geradezu die goldene Mitte getroffen, von allen Extremen gleichermaßen weit entfernt.
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