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Funkenschlag

WIRTSCHAFTSSPIEL VON FRIEDEMANN FRIESE, 2F-SPIELE, BEZUG: WWW.2F-SPIELE.DE, ZWEI BIS SECHS PERS. AB ZWÖLF JAHREN, CA. 30 €

25.11.2005

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Schatten über Camelot

VON SERGE LAGET & BRUNO CATHALA, DAYS OF WONDER-VERLAG FÜR DREI BIS SIEBEN PERS. AB ZEHN JAHREN, CA. 90 MINUTEN, CA. 49,95 €

25.11.2005

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Pecunia non olet

VON CRISTIAN FIORE UND KNUT HAPPEL, GOLDSIEBER Verlag, ZWEI BIS SECHS PERS. AB ACHT JAHREN, CA. 13 €

25.11.2005

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HÖREN

NoJazz : Have Fun | Zweifellos ist das Quintett aus Paris eine Jazzband. Und genau deshalb nennt es sich NoJazz. Denn die vier Buchstaben J-A-Z-Z können wohl kaum das musikalische Universum repräsentieren, das heute unter dem Begriff summiert wird. Schon gar nicht bei den hippen Franzosen. Die haben zwar die komplette Tradition intus, Miles Davis & Co. inklusive, aber sie wollen woanders hin. Der Comic auf dem CD-Cover sieht nach fantastischen Science-Fiction-Abenteuern in fernen Welten aus, die die Fünf zu bestehen haben. NoJazz verlassen das irdische Gravitationsfeld nicht wirklich, doch musikalisch betrachtet gibt es kein Terrain, das vor ihrer Inbesitznahme sicher wäre. Flamenco, Soul, Boogaloo, dazu virtuose Bläser, irrwitzig eingesetzte Samples, Hip Hop und dazwischen – als fröhlich quietschender Mundharmonika-Spieler – Gast Stevie Wonder. Alles ist mit einem Druck inszeniert, so dass man sich schon in andere Sphären katapultiert fühlen kann. Das ist nicht die Sorte Jazz, die uns als hohe Kunst der Improvisation Ehrfurcht abringt. NoJazz’ turbulenter Musikzirkus ist zwar auch eine hochintelligente Angelegenheit, aber eben nicht nur für den Kopf, sondern ganz ausdrücklich auch für Bauch und Beine – getreu dem Titel Have Fun.    RIX

CD, Warner Jazz

  


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Sehen: Sommer vorm Balkon | Zu zweit sind Katrin und Nike stark. Ihre schönsten gemeinsamen Stunden verbringen die Freundinnen auf Nikes Balkon, wo sie an warmen Sommerabenden Rotwein trinken, klönen, herumalbern und sich angestauten Frust vom Hals reden. Entspannte Momente im sonst so belasteten Alltag. Katrin rennt sich die Hacken ab nach einem Job und grübelt, wie sie das Geld für die teuren Turnschuhe auftreiben könnte, die ihr Sohn sich wünscht. Nike, sexy und offenherzig, kommt so über die Runden mit ihrem sauer verdienten Geld in der Altenpflege, wünscht sich aber nichts dringlicher als einen Kerl. Der Truckfahrer Roland weckt Hoffnungen, entpuppt sich aber schon nach dem ersten Date als primitiver Trottel. Absehbar, dass die Beziehung scheitert, auch wenn Nike lange Zeit denkt, dass sie ihn vielleicht ändern kann. Andreas Dresen zeigt unsere von Globalisierung und Neo- liberalismus geprägte Wirklichkeit so bitter wie sie ist und bestätigt wieder einmal die Binsenweisheit, dass Frauen und Männer nicht zueinander passen. Und dass eine gute, zuverlässige Freundin allemal kostbarer ist als ein Schwanz. Eine wunderbare Leichtigkeit atmet der tiefgründige, thematisch weit gefächerte Film dank lakonischer Dialoge und einem liebevollen Blick auf die Hauptdarstellerinnen.    KL

D 2005, R: ANDREAS DRESEN, D: INKA FRIEDRICH, NADJA UHL, ANDREAS SCHMIDT. BUCH: WOLFGANG KOHLHAASE. 107 MIN. KINOSTART: 5.1.2006

  

Pink Floyd : London 1966/1967 | Pink Floyd-Fans aufgepasst! Auf dieser DVD ist die erste Studioaufnahme der Band zu sehen und zu hören. In der Urbesetzung (Syd Barrett, Nick Mason, Roger Waters, Rick Wright) sitzen die Musiker an den Effektgeräten und produzieren Tonexperimente, die mit den erfolgreichen Songs späterer Jahre nur wenig zu tun haben. Zu hören ist die erste Fassung des 1970 neu eingespielten Stücks Interstellar overdrive und das bisher unveröffentlichte Nick’s Boogie. Zu sehen ist eine bunte Kurzfilmmischung des Dokumentarfilmers Peter Whitehead mit Pink Floyd in den Haupt- und Yoko Ono, Playboy-Bunnies, John Lennon und der Palastwache der Queen in den Nebenrollen. Ergänzt wird das Ganze mit Interviews aus dem Jahr 1967 (auf Englisch ohne Untertitel) mit Mick Jagger, den Schauspielern Julie Christie und Michael Caine sowie dem Künstler David Hockney. Es ist die Zeit, als Großbritannien darüber diskutiert, ob die Beatkultur die Moral zerstört und welche Bedeutung dabei den Miniröcken zukommt. Die DVD ist für alle jene Pink Floyd-Fans ein Muss, die das Kaputte der ersten dem epischen Sound der späteren Alben vorziehen. Auch Freunde des Experimentalfims und Undergroundhistoriker werden ihre Freude haben. Wer sich keiner dieser Gruppen zurechnet, sollte lieber The Wall auflegen.    MAS

DVD, PINK FLOYD: LONDON 1966/1967. SNAPPER/SPV

  

Die große Reise | Für Réda ist sie ein herber Schlag. Verlangt der streng gläubige und längst entfremdete Vater doch, dass der Jüngste ihn nach Mekka kutschiert. Nicht gerade ein Katzensprung von Frankreich aus, außerdem steht sein Abi an. Réda ist ganz anders unterwegs, er hat nur Lisa und seine Prüfungen im Sinn, und warum fliegt der alte Sturkopf nicht wie alle anderen Muslime auch? Die Fahrt durch Europa bis in den Nahen Osten wird für beide zur Geduldsprobe. In der Enge des klapprigen Peugeots türmen sich die Missverständnisse, denn der Alte spricht nicht und der Junge versteht nichts, sondern will sein Handy zurück. Doch der Weg ist das mühsam erreichte Ziel und beide kommen irgendwann beim Verständnis an. Regisseur Ferroukhi findet skurrile Metaphern für diese polare Annäherung, und erstmals in einem Spielfilm erhält man tieferen Einblick in die Welt der Mekka-Pilger.    ML

MA/F 2004, R: Ismael Ferroukhi; D: Nicolas Cazalé,Mohamed Majd; 102 Min., KINOSTART: 24.11.

  


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Marlene Dietrich: Nachtgedanken : Lasst mich schlafen | In Maximilian Schells Dokumentation über ihr Leben, in der man die alte Dame selbstverständlich nicht zu sehen bekommt, sondern sie hinter einer halb angelehnten Tür erahnen muss, fährt sie ihn unwirsch an, als er mit ihr alte Filmszenen betrachten will. Man solle sie endlich mit dem alten Schmu verschonen. Maria Riva hat mit der Veröffentlichung der sehr persönlichen Nachtgedanken die Kunst über die Wünsche ihrer Mutter gestellt, und ist ihr letztlich doch gefolgt: „…Ich war / Mein Leben lang / Mit Künstlern / Nur zusammen /…Die ihren Kopf / Gebrauchen müssen / Das Denken nicht / Den anderen überlassen“. So schreibt die Dietrich in einem der wenigen Gedichte, in denen sie sich selbst zum Thema macht. Die kunstvoll gesetzten Worte sind der Schlaflosigkeit der letzten Jahre ihrer Pariser Einsiedelei zu verdanken. Durch sie hält sie Zwiesprache mit einer Vergangenheit, die nur scheinbar glamourös strahlte. Sie dichtet über ihre Hollywood-Freunde, oft Liebhaber. Über Weg- und „Waffengefährten“; über echte Freundinnen, deren Stärken sie bewunderte und denen sie in einer wunderbaren Sprache kleine Denkmäler setzt. Sie hat diese Miniaturen in (amerikanischem) Englisch geschrieben, die der deutschen Version jeweils zur Seite stehen. Besonders berührt ihr Mitgefühl; es sind vor allem die menschlichen Brüche und Dellen, für die sie poetischen Ausdruck gefunden hat: die Schüchternheit Erich-Maria Remarques, die Leidensbereitschaft der Edith Piaf, das Fehlen jeglichen Minderwertigkeitskomplexes bei Mae West, Jean Gabins kompliziertes Liebesleben, Orson Welles klarer Verstand. Sie findet unsentimentale Worte, manchmal auch entlarvend, traurig, böse. Alte Lieben, längst vergangen, sind ihr präsent bis an die Schmerzgrenze. Yul Brynner, Richard Burton, Ernest Hemingway. Auch sie blieben Geister, die sie in den langen Nächten nicht erst rufen musste: „Es führt kein Weg / Aus diesem / Angewiesensein / Auf euch / Solang ich leb“. Ihren Blick für soziale Unterschiede bezeugen nicht mehr allein die Thermoskannen, mit denen die Diva stets auf dem Set erschien, voll Hühnersuppe für die mit den kleinen Gagen. Die Infrastruktur ihrer Freundschaften blieb immer auch geprägt von Hitlers Horror: Charles de Gaulle taucht hier auf, Abe Lastvogel, sogar Ronald Reagan. Dietrichs kurze Prosatexte zu den Erinnerten und Verabschiedeten, eine reiche Fotoauswahl und kurze Lebensläufe der Personen runden dieses wunderbare Buch ab. Ihres literarischen Talents unwürdig ist aber der unangenehme Geruch des verwendeten Bilderdruckpapiers „Westminster“.   Jenny Mansch

BERTELSMANN, HRSG./ VORWORT:MARIA RIVA, Ü: REINER PFLEIDERER, 187 S., 20 €

  

Mike Davis : Vogelgrippe. Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien | Dass Mitteleuropa heutzutage von einer tödlichen Seuche heimgesucht werden könnte, gegen die es wenig Schutz gibt, können wir uns trotz AIDS kaum vorstellen. Zu lange ist es her, dass eine Grippepandemie 1918 mehr Opfer als der Erste Weltkrieg forderte. Erst jetzt, mit seinem Auftauchen in Europa, werden Warnungen der Weltgesundheitsorganisation beachtet, die ein Überspringen des ungewöhnlich bösartigen Vogelgrippevirus H5N1 auf Menschen mit bis zu 150 Millionen Toten befürchtet. Die biologischen Voraussetzungen, vor allem aber die Auswirkung von Kapitalinteressen auf Entstehung, Ausbreitung und Bekämpfung eines solchen „Menschenfresservirus“ beschreibt der Autor mit kriminologischer Leidenschaft. Industrielle Massentierhaltung, die Lebensbedingungen asiatischer Slumbewohner, Profitgier und politische Geheimniskrämerei tragen zu einer explosiven Situation bei. Die Armen vor allem in der so genannten Dritten Welt würden Hauptopfer einer Pandemie. Doch auch bei uns hätte ein „gesund“ geschrumpftes Gesundheitswesen kaum die Voraussetzungen, zigtausende Schwerkranker zusätzlich zu versorgen.    KNAUF

VERLAG ASSOZIATION A, Ü: INGRID SCHERF 168 S., 14 €

  

Paula Fox : Was am Ende bleibt | Wer diesen Roman bei seinem ersten deutschen Erscheinen verpasste, darf die Begegnung jetzt nachholen. Fox erzählt in ihrer Geschichte eines Ehepaars von Brüchen in der Realität, die fühlbar, sichtbar – und wieder denkbar werden, weil es unmöglich wird, zu verdrängen. Ein Katzenbiss beschwört in der Frau die Angst vor Erinnerungen an eine einseitige Liebesaffäre herauf, während die Trennung von seinem Geschäftspartner den Mann in eine existenzielle Krise stürzt. Die Frau ist durch ihr körperliches Bedrohtsein gezwungen, alles einer Überprüfung zu unterziehen, ihre Vergangenheit, die Arbeit, ihre Beziehungen. Das Alarmiertsein lässt sie auch erkennen, welche (selbst)zerstörerischen Tendenzen in ihr sind. Doch erst sehr spät begreift sie, dass auch die Welt ihres Ehemannes längst aus den Fugen geraten ist – aber auch, dass sie beide sich sowohl in Verzweiflung als auch in Liebe wieder neu begegnen können. Ein wunderbares, verstörendes Buch, bereits 1970 in den USA erschienen.    KLIX

BRIGITTE-EDITION BAND 2, Ü: SYLVIA Höfer, 218 S., 10 €

  


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Karlsson vom Dach und die Kuckelimuckmedizin | Er ist gewiss die verschrobenste Figur Astrid Lindgrens, dieser Karlsson: vorlaut, frech und wehleidig, aber auch großherzig und immer zu Schabernack aufgelegt. Wie geschaffen, um ihn als interaktives Spiel zu inszenieren. Eng angelehnt an die originalen Charaktere und Spielorte, ziehen die flott gezeichneten und synchronisierten Szenen schnell in die typische Karlsson-Welt. Dort gilt es, an vertrackten „Was-passiert-dann-Maschinen“ die Kombinationsgabe zu trainieren, bei einem ungewöhnlichen Kartenspiel gut aufzupassen oder die Haushälterin im richtigen Moment zu überlisten. Während dieser Reaktionsspiele läuft die Geschichte weiter, die mit Medizin brauen und Diebe verfolgen, spannend bleibt. Das ist richtig gut gemacht und für Kinder zwischen 6 und 10 ein niveauvoller Spaß. Zu Recht erhielt Karlsson auf der diesjährigen Buchmesse einen Preis der „Giga-Maus“ für Kinder-Multimedia. Mit dieser CD-ROM setzt das Stockholmer Multimedia-Studio Gammafon Maßstäbe    HEST

CD-ROM FÜR WINDOWS 98, NT4.0, 2000, ME, XP UND MAC OS 9.2, X: WWW.OETINGER-INTERAKTIV.DE

  

Hörbuch- und Audio-Portale im Web | | Der Hörbuchmarkt wächst und wächst. Neben Romanen sind auch immer mehr Sachbücher im Angebot, Hörspiele, Audio-Dokumentationen und -Magazine. Der Boom begründet sich auch in den erweiterten Abspielmöglichkeiten: PC, MP3-Player und zunehmend Handys eignen sich für die mehrheitlich gesprochenen Audio-Inhalte. Wie Musik lassen sich Hörbücher und -spiele längst via Internet herunterladen. Hierfür etablieren sich immer mehr Portale, jedoch bislang ohne Charme. Audible, Shortbooks oder Diadopo bieten zwar Sortierung nach Genres und Rubriken und geben Kauftipps, doch die Beratung ist mau. Mehr redaktionelle Arbeit macht sich das zur Buchmesse gestartete Audio-Portal für Kinder mit dem Namen Hörbie. Zu saisonalen Themen wie Halloween zum Beispiel gibt es Texte, Tipps und Ideen, in denen die Kaufempfehlungen integriert sind. Immerhin, doch mehr inhaltlicher Mehrwert, echte Kaufberatung und Gelegenheiten für Kunden, sich auszutauschen, wären wünschenswert.    HEST

WWW.HOERBIE.DE, WWW.AUDIBLE.DE WWW.SHORTBOOKS.DE, WWW.DIADOPO.COM

  

www.heiligenlexikon.de | Nicht nur Prominente wie Franziskus von Assisi, sondern auch „Heilige nach heutigem Sprachgebrauch“ finden sich hier. Das Nachschlagewerk enthält die Lebensgeschichten von über 3500 Frauen und Männern, heilig, selig oder nur wohltätig, aus den katholischen, orthodoxen, protestantischen und anglikanischen Kirchen. Wer das Lexikon aufschlägt und die Namen des Tages durchblättert, erfährt zum Beispiel am 3. März, dem Todestag von Elsa Brandström – die durch ihre Arbeit für die Kriegsgefangenen bekannt ist – dass sie auch die Erfinderin des CARE-Pakets war. Diese Urheberschaft zu finden, war verblüffend. Wer hat sich schon überlegt, dass die besondere Unverwüstlichkeit dieser Verpackung erst ausgetüftelt werden musste, um die Hilfsaktionen so effektiv zu machen? Neben den Texten gibt es eine Fülle von Abbildungen. Der heilige Sebastian, Star unter den Märtyrern, darf nicht fehlen, da die Kunst seinen schönen, von Pfeilen durchbohrten Leib immer wieder abbildete. Im Lexikon erfährt man, dass er bei diesem ersten Martyrium gar nicht starb – das zweite war aber nicht so dekorativ darzustellen.   KLIX

  


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